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Ein Blues-Veteran mit Baskenmütze

Pete Gavin überzeugte bei seinem Auftritt im Stadtschloss Musikalisch Geschichten erzählt

Lichtenfels 19.03.04.

Ungefähr die Hälfte des Jahres verbringt der 53-jährige Blues-Musiker Pete Gavin auf Tour. Am Freitagabend gastierte er, unterstützt von der "Shanghai Blues Gang", im Stadtschloss. Gavin und die Zwei-Mann-Band spielten mal Eigenes, mal Gecovertes. Die Tatsache, dass die selbstkomponierten Stücke keinerlei Qualitätsunterschied zu den bekannten Bluessongs aufwiesen, dürfte für die Qualität der Musiker sprechen. Das Publikum quittierte das mit lang anhaltendem Applaus und die Musiker mussten zweimal auf die Bühne zurückkehren, um Zugaben zu spielen.

Als "Mischung aus traditionellem Sliding-Folk und ursprünglichen Bluesklängen mit Rockmusikeinflüssen entstehen meine Eigenkompositionen, bei denen dieses Fundament immer mit einfließt", sagte der Gavin in einer kurzen Konzertpause über seine Musik. Was dabei herauskommt ist eine sehr rockige Blues-Variante des in Berlin lebenden gebürtigen Londoners. Gavin, der früher bei den großen britischen Musikfestivals mitwirkte, möchte seine Auftritte heute nicht mit den Live-Erfolgen aus früheren Tagen, als er vor zigtausend Menschen spielte, messen: "Das war eine andere Zeit, der Stellenwert von Live-Musik war ein anderer. Heute ist es nur noch eine Subkultur, Kleinkunst, aber immer noch und vielleicht auch deshalb wunderschön", antwortete er auf die Frage, wie es ist, nach den früheren großen Erfolgen im zwar sehr gut gefüllten, aber dennoch vergleichsweise kleinen Stadtschloss zu spielen.

Auf der Bühne, die er während des Abends nicht ohne Baskenmütze betrat, fühlt er sich wohl, das merkte man Gavin an. Ein Profi, der das Publikum immer wieder dazu animierte, mitzusingen und mitzuklatschen. Die Baskenmütze war übrigens neben einem schwarzen Halstuch das einzige auffallende Accessoire an Gavin, der schwarze Jeans, ein schwarzes Hemd und Jeansjacke trug.

Die Frage jedoch, die sich stellt ist: Was treibt einen 53-Jährigen, der eigentlich Physiker ist, dazu, das Vagabundenleben eines Kleinkunstmusikers zu führen? Gavin antwortete: "Der geregelte Tagesablauf in meinem erlernten Beruf war mir einfach zu bequem, jeder Tag verlief im gleichen Trott, und das wollte ich nicht". Ein rastloses Leben, das Gavin geprägt zu haben scheint: Sein Gesicht drückt die Erfahrung des Alters aus, und immer wenn er zu seiner 1933er National-Duolian-Stahlgitarre griff, wenn er sang oder die Mundharmonika spielte, um im Blues von einem Schicksal zu erzählen, glaubte man ihm die Geschichte, die von der Musik erzählt wurde, als wäre es seine eigene.

Egal, ob bei "Midnight Special", das von der Freiheitssehnsucht eines Haftinsassen handelt oder beim "Pater Noster Boogie" über das Steckenbleiben im Fahrstuhl, die Musik schaffte es, die beschriebenen Gefühle direkt ins Publikum zu übertragen.

Und auch den "Poor Boy" musste man Gavin einfach abnehmen, als er mit seiner silbernen, teils rostigen Gitarre an der Bühnenfront saß wie ein Straßenmusiker.

Perfekt ergänzt wurde der Auftritt von den Rhythmen der "Shanghai Blues Gang", bestehend aus Bassist Pick Stevens aus Shanghai und Drummer Niklas Nesselhut. Die Band ist übrigens nach dem Geburtsort von Bassist Pick Stevens benannt. Ker

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