Wir kriegen noch neĎ Wurst, und dann gehtís los

Hoyerswerda. Der Samstagabend im Hoyerswerdaer Irish Pub "Black Raven" gehörte dem Blues in all seinen Spielarten. Mal melancholisch-gefühlvoll, mal fröhlich-leichtfüßig, aber nie herunterleiernd, das Liedende herbeisehnend. Und wer könnte das besser, als der 62-jährige Pete Gavin aus London, mit seinem 45-jährigen Bassisten Pick Stevens aus Shanghai, an diesem Abend die "Shanghai Blues Gang light" verkörpernd. Pete, Linkshänder, spielt mit entgegengesetzt aufgezogenen Saiten seine Gitarre, besser, er zelebrierte sie, und führte sie den etwa 60 Blueskennern vor. Mal zupfte er die Saiten, dann wieder glitt er mit dem Bottleneck über die Saiten, und dann setzte er seine Stimme so ein, daß die verschiedensten Gefühle durchlebbar wurden. Rauh und kratzig bei schwerem Blues, kraftvoll, um Fröhlichkeit auszudrücken, aber auch ganz leise hohe Töne, wie in seiner tollen Eigenkomposition "Sexy Blues". Pete und Pick zeigten an diesem Abend, daß es zwischen den beiden einfach paßt. Ein Hörgenuß allererster Güte, nichts holpriges, alles wie aus einem Guß. Das sachkundige Publikum trieb die beiden zu Höchstform, zu halbem Trance. Beide hatten ja auch ein kleines Jubiläum. Sie waren zum fünften Mal im Hoyerswerdaer Pub. "Wir kommen immer wieder gern. Das Publikum hier ist schwer in Ordnung. Sie honorieren unsere Leistungen so, daß es einfach nur Spaß macht", meinen Pete und Pick. Die beiden sind seit 12 Jahren zusammen. Sie haben sich auf Sessions in Berlin kennengelernt. Die beiden reifen Musiker haben sich gesucht und gefunden. Pete ist mit dem Blues in London aufgewachsen. "Die Stones, Free und Who haben mich geprägt. Auch ihre Wurzeln liegen im Blues. Mich hat das unwahrscheinlich inspiriert", verrät Pete. Das Gitarrespielen hat er sich selbst beigebracht. Aber davor hatte er Klavierunterricht. "Mit Linealschlägen auf die Fingerknöchel, wenn ich nicht die richtigen Töne traf. Das wollte ich nicht auf diese Tour", erzählt er weiter. Dann kam die Zeit des autodidaktischen Gitarrestudiums, bis zum Umspannen der Saiten für Linkshänder. Er kam auch zu Jamsessions mit Größen wie Spencer Davis und anderen. Damals war die Konkurrenz gnadenlos hart, und es gab viele. Er verdiente sich seine Brötchen als Physiker. Aber Physiker waren damals nur in der Rüstungsindustrie gefragt. "Nee, nicht mit mir", lächelt er gütig. Nach Zeiten als Straßenmusiker in der Schweiz, Niederlande, und Japan, kam er nach Deutschland- und es ging aufwärts. Eigenes Plattenlabel, 12 aufgenommene CDís, tourt er entweder solo, im Duo mit Pick, oder mit seiner Band "Shanghai Blues Gang" im deutschsprachigen Raum.. Pick, der in Shanghai geboren wurde, ist jetzt Berliner. Er hat in der Musikschule Gitarre und Baß gelernt. Hatte mehrere Bands. "Ich fand nie aktuelle Musik gut, nur ältere Sachen, wie Blues", erklärt er seine "Bluesverrücktheit. Die beiden haben viel erreicht in ihrer Musikerkarriere, wollen nur noch Spaß an der Musik. "Das Wichtigste ist für uns den Draht zum Publikum zu finden", meinen sie. Und den haben sie, wie so oft, auch in Hoyerswerda gefunden.

Bildtexte:

Pete Gavin und Pick Stevens von der "Shanghai Blues Gang light" waren zu Gast im "Black Raven".

Pete Gavin zelebrierte den Blues. Seine "Helfer" waren seine eigene Stimme, die Gitarre, das Bottleneck, und die Mundi.

Text und Fotos: Heinz Hirschfeld